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Psychische Gesundheit: Warum sie anders ist als du glaubst

Schon eine ganze Weile beobachte ich in Gruppen und Foren, dass die allermeisten Menschen, die mit seelischen Problemen kämpfen nicht an eine Heilung glauben. Manchmal generell – manchmal nur für sich selbst. Wenn überhaupt können sie sich im allerbesten Fall vorstellen, dass sie mit der Krankheit leben lernen können.

Aber gesund werden? Unmöglich.

 

Doch stimmt das tatsächlich?

Wer ältere Beiträge von mir kennt, der weiß bereits, dass ich absolut davon überzeugt bin, dass Heilung möglich ist. Und zwar für jeden Einzelnen von uns.

 

Ja, das war nicht immer so.

Die allermeiste Zeit meines Lebens glaubte ich sogar das Gegenteil. Und wie viele Menschen war ich davon überzeugt, dass gesund zu sein gleichbedeutend damit wäre, sich niemals schlecht zu fühlen oder zumindest keine Beschwerden (mehr) zu haben.

 

Es ist eine Meinung, die mir im Bezug auf das Thema immer wieder mal begegnet: im direkten Gespräch mit Betroffenen, in Foren und in Facebook-Gruppen. Mal offensichtlich und klar formuliert, mal versteckt zwischen den Zeilen, aber fast immer tief verwurzelt.

Was Heilung ist – und was nicht.

 

Gesund werden aktiviert keine unsichtbare Kraft in dir, mit der du zu einer Art Gefühls-Superheld wirst, der mühelos und lächelnd durchs Leben schwebt und an dem alle negativen Emotionen abprallen.

 

Die Wahrheit ist: Auch gesunde Menschen kämpfen mit negativen Gefühlen.

Auch Gesunde hadern mit sich und ihrem Leben.

Auch sie werden mit traumatischen Situationen und Lebenskrisen konfrontiert.

Auch sie kennen Schmerz, Angst und Traurigkeit.

Denn Gefühle gehören zum Leben. Sie machen uns lebendig. Lassen uns spüren und fühlen.

 

Gefühle haben einen Sinn – und zwar jedes Einzelne von ihnen.

 

Fakt ist: Krank-Sein verändert unsere Wahrnehmung und erschwert damit das Filtern von Erlebnissen.
Es wirkt wie ein Vergrößerungsglas, durch das negative Gefühle verstärkt werden.

Gefühle, die uns dann logischerweise einnehmen, überwältigen und oft viel Kraft rauben.

 

Doch die gute Nachricht ist:

Sobald dieses Glas zerbricht, kannst du das Leben wieder in all seinen Nuancen spüren.

Ungefiltert und echt.

 

Gesundsein bedeutet also nicht, dass du dich niemals wieder traurig fühlst, keine Angst mehr haben wirst oder nur noch lächelst. Es bedeutet auch nicht, dass du niemals wieder stolpern wirst.

Denn Stolpern gehört zum Leben, genauso wie das Fühlen.

 

Gesundsein ist für mich wie eine Waage. Eine Waage, die sich immer wieder selbst in Balance bringt, statt auf einer Seite ständig zu verhaken.

 

Das bedeutet, dass du stark und gleichzeitig schwach sein darfst.

Schmerz und Angst genauso empfinden kannst wie Mut und unerschütterliche Freude.

Ja, und manchmal, da bedeutet es vielleicht auch, die eigenen Wunden zu lecken, sich eine ganze Weile zu umsorgen und im Anschluss gestärkt zurück ins Leben zu treten.

 

 

 

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